2025: Inflation bleibt über EZB-Ziel – Preise steigen weiter
Die Inflation hält sich hartnäckig. Für 2025 wird eine Teuerungsrate von 2,2-Prozent erwartet – erneut über dem 2-Prozent-Zielwert der Europäischen Zentralbank (EZB). Für Verbraucher bedeutet das: Steigende Preise für Energie, Lebensmittel und Mieten, während die Reallöhne weiter an Kaufkraft verlieren.
Silke Stroms, 42, Krankenpflegerin aus Dortmund, merkt die Preissteigerungen besonders beim Einkaufen: „Ich vergleiche immer die Angebote. Aber das Leben wird jedes Jahr teurer – die Butter kostet jetzt schon 3,40 Euro. Vor zehn Jahren waren es nur 90 Cent.“
Die wahren Treiber der Inflation: EZB-Geldflut und globale Krisen
Wirtschaftswissenschaftler Gunther Schnabl (Universität Leipzig, Flossbach von Storch Research Institute) sieht die Ursachen der Inflation vor allem in der expansiven Geldpolitik der EZB. Seit der Euro- und Corona-Krise hat die Zentralbank mehr als 4,5 Billionen Euro an Liquidität in die Märkte gepumpt, um die Wirtschaft zu stabilisieren. Diese Geldmengen suchten sich ihren Weg – erst in Vermögenswerte wie Immobilien und Aktien, nun treiben sie die Preise für Konsumgüter und Dienstleistungen.
Doch die Geldpolitik ist nur ein Teil der Erklärung. Auch globale Krisen haben die Inflation verstärkt. Der Ukraine-Krieg ließ die Energie- und Lebensmittelpreise in die Höhe schnellen. Gleichzeitig belasten gestörte Lieferketten, steigende Rohstoffkosten und geopolitische Unsicherheiten die Produktionsseite. Besonders betroffen sind Branchen wie Transport, Bau und Industrieproduktion – und damit Wirtschaftssektoren, die für die Preisentwicklung entscheidend sind.
Inflation trifft Unternehmen – steigende Kosten, sinkende Renditen
Die Aussichten? Alles andere als vielversprechend. Steigende Preise schmälern die Kaufkraft der Kunden, die Nachfrage sinkt. Unternehmen stehen vor einer schwierigen Entscheidung: Preise erhöhen oder Kosten senken – beides birgt Risiken. Höhere Preise können Kunden abschrecken, Kostensenkungen gehen oft zulasten von Investitionen und Innovationen. Die Folgen: Langsameres Wachstum, sinkende Gewinne und eine insgesamt gebremste Wirtschaft.
Schleichender Wertverlust: Wie Inflation das Ersparte entwertet
Doch Inflation bedeutet nicht nur steigende Preise – sie entwertet auch das Geld auf dem Konto, oft unbemerkt. Während das Leben teurer wird, verliert Erspartes Jahr für Jahr an Kaufkraft. Ein Beispiel: Bei einer Inflationsrate von 2-Prozent büßen 10.000 Euro jährlich rund 200 Euro an Kaufkraft ein. Nach 35 Jahren bleibt real nur noch die Hälfte übrig. Zinsen gleichen diesen Verlust meist nicht aus.
Auch bei Aktien und Fonds zeigt sich das Problem deutlich: Wer eine nominale Rendite von 6-Prozent erzielt, verliert bei 2-Prozent Inflation real bereits ein Drittel seines Ertrags. Nach Steuern und Gebühren kann dieser Effekt noch stärker ausfallen.
Inflation als versteckte Steuer: Warum der Staat von der Geldentwertung profitiert
Dagegen freut sich die Staatskasse. Warum? Während Verbraucher und Unternehmen unter steigenden Preisen ächzen, wächst automatisch das Steueraufkommen. Die Inflation sorgt dafür, dass der Staat mit jeder Preissteigerung mehr einnimmt – ganz ohne politische Entscheidungen oder Steuererhöhungen. Denn die Mehrwertsteuer steigt mit jedem Preisanstieg und die Lohnsteuer sprudelt kräftiger, sobald Gehälter nominal angepasst werden.
Wirtschaftsexperte Franz Schellhorn bringt es auf den Punkt: „Die Teuerung ist die heimliche Geliebte von Vater Staat. Je höher die Inflation, desto stärker fließen die Steuereinnahmen.“
Inflation als Schuldenlösung: Warum die Schulden des Staates sinken
Ein weiterer Effekt: Die Schuldenlast des Staates sinkt. Ein Kredit von 10.000 Euro ist bei einer Inflationsrate von 2-Prozent nach einem Jahr real nur noch 9.800 Euro wert. Kritiker sprechen längst von einer versteckten Umverteilung von unten nach oben – und das mit einem simplen, aber effektiven Mechanismus. So bleibt eine unbequeme Wahrheit: Der Staat hat an dauerhaft niedrigen Preisen grundsätzlich kein allzu großes Interesse – zumindest nicht, solange er der größte Profiteur bleibt.
Sicher durch die Krise: Wie bleibt Ihr Geld inflationssicher?
Umso wichtiger ist es, sich finanziell strategisch aufzustellen und aktiv gegen die schleichende Geldentwertung vorzugehen. Der beste Schutz ist eine durchdachte Anlagestrategie. Eine breite Diversifikation ist entscheidend, um Inflationsrisiken zu minimieren. Besonders Sachwerte wie Immobilien, Rohstoffe und physisches Gold haben sich historisch als wertstabil erwiesen. Ergänzend bieten Investmentfonds, Aktien und inflationsindexierte Anleihen langfristig bessere Renditechancen als unverzinstes Guthaben.
Inflationsindexierte Anleihen wie Bundeswertpapiere passen ihre Verzinsung und/oder den Rückzahlungsbetrag an die Teuerungsrate an. Dadurch können sie den realen Wert des Kapitals weitgehend erhalten. Auch alternative Anlageformen wie Kryptowährungen gewinnen als digitaler Wertspeicher an Bedeutung, sind aber aufgrund ihrer hohen Volatilität mit Vorsicht zu betrachten.
Ausblick: Inflation als neue Normalität?
Klar ist: Wer sein Vermögen nicht schützt, verliert – langsam, aber unausweichlich. Eine rasche Rückkehr zu stabilen Preisen bleibt unwahrscheinlich. Zwar rechnet die Bundesregierung mit einem allmählichen Rückgang der Teuerung, doch die strukturellen Treiber – hohe Energiekosten, geopolitische Spannungen und eine expansive Geldpolitik – sprechen dagegen. Im Februar lag die Inflation mit 2,3-Prozent bereits über den Regierungsprognosen. Ein Indiz dafür, dass die Teuerung hartnäckiger ist als erwartet.